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St. Nikolai beherbergte eine der bedeutendsten Renaissanceorgeln Norddeutschlands, die der dänische Hoforgelbauer Nicolaus Maaß von 1604 bis 1609 im
Auftrag des dänischen Königs Christian IV. gebaut hat. Das Instrument wurde von 1707 bis 1709 von Arp Schnitger in ein barockes Orgelwerk umgebaut und erweitert. Der 15 Meter hohe und 7 Meter breite Prospekt der
Orgel ist ein Meisterwerk des Flensburger Bilderschnitzers Heinrich Ringeringk. Noch heute gehört dieser prachtvolle Prospekt mit seinem kunstvollen Schnitzwerk und dazugehöriger Orgelempore zu den Größten in
Nordeuropa.
Planlose Umbauten seit 1920 hatten das alte Instrument zerstört. Seit 1997 verwirklicht der international renommierte Orgelbauer Gerald Woehl aus
Marburg hier ein ehrgeiziges Projekt. Weltweit zum ersten Mal entstehen hinter dem in der ursprünglichen Farbigkeit restaurierten Prospekt zwei Stilinstrumente:
Im historischen Gehäuse als unverzichtbares Erbe die Klanggestalt der Schnitgerorgel von 1709 mit deren spezifischen Wesensmerkmalen - mit alter,
mitteltöniger Stimmung und lebendiger, gleichsam “atmender" Windversorgung aus drei traditionellen Keilbälgen, geeignet zur authentischen Wiedergabe der Musik des norddeutschen Barock. Der Spieltisch (3 Manuale
und Pedal) befindet sich am Hauptgehäuse auf der alten Orgelempore Ringeringks.
Dahinter steht eine symphonische Orgel mit den Merkmalen der großen romantischen Orgeln, mit moderner, gleichstufiger Stimmung. Deren
"Lunge" besteht aus 8 Magazinbälgen, die das große Instrument mit dem nötigen Wind versorgen und es ermöglichen, dass die Orgel vom zartesten Pianissimo bis zum grandiosen symphonischen Tutti mit homogener
und melodiebetonender Klanglichkeit erklingt. Diese zweite Orgel besitzt einen eigenen, freistehenden Spieltisch (4 Manuale und Pedal) auf der unter der Orgelempore liegenden Sängerempore.
Nach ihrer Fertigstellung wird St. Nikolai nicht nur wieder die größte Orgel des Landesteils Schleswig besitzen, sondern ein in seiner Art
einzigartiges Instrument: Zu sehen ist der als nationales Kulturdenkmal eingestufte Prospekt aus der Renaissance. Zu hören sind eine große norddeutsche Barockorgel nach dem Vorbild Schnitgers und ein
symphonisch-romantisches Instrument, inklusive Fernwerk auf dem Dachboden über dem Altarraum. So spiegelt diese Orgel in ihrer Gesamtheit, mit ihrer einzigartigen Verbindung von historischem Erbe und moderner
Neugestaltung, selbst die bewegte Orgelgeschichte der letzten 400 Jahre an St. Nikolai wieder.
Michael Mages __________________________________________________________________________
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